Feinmotorische Entwicklung bei Kindern

Die feinmotorischen Fähigkeiten unserer Kinder entwickeln sich in den ersten 4 Lebensjahren sprunghaft. Während Babys in den ersten Lebensmonaten nur unter höchster Konzentrationsanstrengung nach Gegenständen greifen können, erlernen sie im weiteren Lebensverlauf auch komplexe Bewegungsabläufe sehr souverän und routiniert. Die feinmotorischen Fähigkeiten der Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Jedes Kind ist auch auf diese Weise einzigartig.


Grundsätzlich versteht man unter Feinmotorik die gezielte Bewegung und Koordination der kleinen Muskeln in der Hand, im Handgelenk, in den Fingern und in den Zehen. Bereits in den ersten Lebensmonaten können Eltern die Feinmotorik fördern. Dabei dürfen Sie Ihr Kind aber keinesfalls überfordern. In seinen ersten 4 Lebenswochen ballt Ihr Baby seine Händchen meistens zur Faust. Sie können hier bereits den Greifreflex und seine Feinmotorik fördern, indem Sie die Handfläche des Neugeborenen streicheln. In den allermeisten Fällen wird es Ihren Finger fest umgreifen.

Ab einem Alter von etwa 3 Monaten wird das Baby Ihnen wahrscheinlich vermehrt seine Handflächen entgegenstrecken. Legen Sie kleine Gegenstände wie ein kleines Plüschtier in seine Hand. Das löst oftmals einen Greifreflex aus und Ihr Baby wird versuchen, den Gegenstand mit dem Mund zu erkunden.

Nach dem Greifreflex entwickelt sich im Alter von etwa 4 Monaten die Drehbewegung des Handgelenks. Ihr Kind kann nun bereits nach einem Gegenstand, das ihm angeboten wird, greifen und ihn von allen Seiten begutachten. Viele Kinder drehen auch einfach nur die Hände und betrachten ihre Finger von allen Seiten. In den folgenden Monaten erwirbt Ihr Kind die Fähigkeit, Gegenstände selbstständig aufzuheben. Seine Hände benutzt es dabei wie eine kleine Harke oder eine Schaufel. Wichtig in dieser Phase ist, dass Sie dem Kind Gegenstände in unterschiedlicher Form, Farbe und Größe zum Spielen anbieten. Das Greifen und Beschäftigen mit dem Gegenstand ist für die Hand-Auge-Koordination des Babys sehr förderlich.

Gegen Ende des ersten Lebensjahrs wird die grobmotorische Entwicklung Ihres Kindes in den Vordergrund treten: Sitzen, Krabbeln, Stehen und vielleicht schon die ersten Gehversuche beschäftigen Sie und Ihr Kind. Wenn Sie Ihr Kind genau beobachten, können Sie auch große Fortschritte in der feinmotorischen Entwicklung feststellen. Mit dem sogenannten Pinzettengriff kann Ihr Kind kleine Gegenstände zwischen Daumen und Zeigefinger einklemmen. Das Wegwerfen von Spielzeug ist für die Eltern manchmal anstrengend, zeigt aber die neu erworbenen Fähigkeiten des Kindes und ist zumeist eine Aufforderung zum Spiel. In dieser Phase ist es wichtig, die Feinmotorik zu fördern, indem geeignete Spielangebote gemacht werden: Motorikspielzeug, das Bauen von Türmen mit Bauklötzen, Stapeltürme oder Knetmasse - es gibt viele Möglichkeiten, Ihr Kind altersgerecht zu beschäftigen und dabei seine Feinmotorik und die Hand-Auge-Koordination zu stärken.

Ab dem Alter von 2 Jahren ist die Feinmotorik beim Kind schon recht weit ausgebildet. Kleinkinder im Alter von 3 Jahren erfahren noch einmal einen feinmotorischen Entwicklungsschub. Sie können ihre Bewegungen kontrollierter ausführen und einzelne Muskeln direkt ansprechen. Beispielsweise sind sie nun in der Lage, ihre Finger unabhängig voneinander zu bewegen. Die Feinmotorik fördern Sie in dieser Entwicklungsphase durch gemeinsames Basteln und Malen.

Die feinmotorische Entwicklung ist auch beim Kindergartenkind noch nicht abgeschlossen. In dieser Altersstufe werden Feinheiten wie beispielsweise das Schleifenbinden und das Schneiden mit der Schere erlernt. Und mit der Einschulung kommen mit der Erlernung der Schreibbewegung neue Aufgaben auf die feinmotorischen Fähigkeiten Ihres Kindes zu.